Dokumentation der
Abschlussveranstaltung

Dokumentation der Abschlussveranstaltung des Modellprojekts ‚geRECHT in NRW’



“geRECHT in NRW” und die Beschwerdekultur

Mit einem großen Fachtag ist das Modellprojekt „geRECHT in NRW“ in die letzte Projektphase gegangen. Das Team arbeitet seit zweieinhalb Jahren an einer unabhängigen Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche in Heimen und Tagesgruppen. Rund 140 Fachkräfte aus Einrichtungen der Jugendhilfe, dem Jugendamt und der Wissenschaft zogen Bilanz und diskutierten über bundesweite Modelle. Moderiert wurde die Veranstaltung von Klaus Bellmund, WDR (Foto).

„Wenn Heimkinder sich ungerecht oder schlecht behandelt fühlen, müssen sie wissen, an wen sie sich wenden können“, sagt Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Landesverband NRW e.V. Dort hat ein dreiköpfiges Team zweieinhalb Jahre lang an einer externen, unabhängigen Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche in Heimen und Tagesgruppen gearbeitet.

Eine externe Beschwerdestelle als feste Institution sei generell notwendig und sinnvoll – so der Tenor des Fachtages. Es gibt aber unterschiedliche Auffassungen darüber, wie man dieses Ziel erreichen kann. Wenn sich Kinder und Jugendliche in Heimen oder Tagesgruppen ungerecht behandelt fühlen, können sie sich noch bis Ende Dezember an die Fachkräfte von „geRECHT in NRW“ wenden – egal ob es um Gewalt, Taschengeldentzug oder ganz alltägliche Dinge des Heimlebens geht. Wie es mit „geRECHT in NRW“ danach weitergeht, ist bislang noch ungewiss. Die finanzielle Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland läuft zum Jahresende aus.



Blick zurück und nach vorn

In einem der Vorträge blickte Dr. Thomas Swiderek von „geRECHT in NRW“ auf die bisherige Arbeit zurück. Nach einer intensiven Konzeptionsphase startete die praktische Beratungstätigkeit am Telefon oder vor Ort. Von Februar bis Oktober 2012 liefen insgesamt 35 Anfragen bei „geRECHT in NRW“ ein. In 22 Fällen haben sich die Kinder und Jugendlichen direkt an die Beschwerdestelle gewandt. Das Konzept gehe grundsätzlich auf, so Swiderek. Er betonte, dass es nach der Erfahrung des Teams nicht nötig sei, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Ansprechpartner am Telefon persönlich kennen.

Dieter Göbel vom Landschaftsverband Rheinland hält solche unabhängigen Ansprechpartner wie das Team von „geRECHT in NRW“ für notwendig und sinnvoll. „Damit wurde für das Anliegen, Kinder und Jugendliche in Institutionen zu schützen, ein weiterer wichtiger Schritt getan“, so Göbel. Er machte sich dafür stark, eine bessere Beschwerdekultur in der gesamten Jugendhilfe zu etablieren.

DKSB Landesgeschäftsführer Friedhelm Güthoff ging noch weiter: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass Ideen und Beschwerden von Kindern Anlass für intensive Gespräche über denkbare Änderungen im Heimalltag waren. Das Gefühl, wertschätzend und gerecht behandelt zu werden, konnte gestärkt und ein gutes Leben im Heim zu einem gemeinsamen Anliegen von Kindern und Heimmitarbeiterinnen und -mitarbeitern werden“, sagte Güthoff.