Ankerpunkte

Für „geRECHT in NRW“ ist es wichtig, dass Kinder auf ihre Lebensverhältnisse im Alltag aktiv Einfluss nehmen können. Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten sind dafür wichtige Bausteine. Nach der UN-Kinderrechtskonvention sind Kinder als Rechtssubjekte Träger von Schutz-, Beteiligungs- und Förderrechten. Es geht darum, dass Kinder und Ju-gendliche optimalen Schutz (protection), angemessene Beteiligungsmöglichkeiten (partici-pation) und eine größtmögliche Förderung ihrer Entwicklung (provision) erfahren, damit sie zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit heranwachsen können.

Unserem Verständnis nach geht mit der UN-Kinderrechtskonvention eine Demokratisierung sozialer Dienste in der Kinder- und Jugendhilfe einher. Beteiligung und Beschwerdemöglich-keiten setzen voraus, die Rechte des Kindes als ein Bürgerrecht zu erfassen. Auf der Grundlage seiner Lebenssituation sollen individuelle Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden, die auf Mündigkeit und ein selbstbestimmtes Leben abzielen.

Von diesem Standpunkt aus gesehen sind Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten ein Qualitäts- und zugleich ein zentrales Strukturmerkmal der Kinder- und Jugendhilfe – und bilden und bildet insofern einen bedeutenden Ausgangspunkt für professionelles Handeln. Dafür gibt es folgende Gründe:

  1. Wenn sich Kinder und Jugendliche an Entscheidungen in ihrem Alltag beteiligen dürfen, verstehen sie die Lebensform der Demokratie, die auf einer Kultur der Anerkennung und Beteiligung vieler beruht.
  2. Die Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten sind für Kinder oder Jugendliche ein Recht im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention.
  3. Kinderrechte als ein zentraler Bezugspunkt professionellen Handelns setzt eine kri-tisch-reflexive Grundhaltung gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen und dem darin verorteten beruflichen Alltag als Fachkraft voraus.
  4. Wer die Kinderrechte als wichtige Aspekt professionellen Handelns betrachtet, braucht ein Selbstverständnis, das den fachlichen Diskurs über das Bild vom Kind und Jugendlichen in seinen Lebensverhältnissen voraussetzt.
  5. Kinderrechte als Bestandteil professionellen Handelns benötigen eine konzeptionelle Verankerung und eine damit einhergehende Kultur der Beteiligung im professionellen Alltag.

„geRECHT in NRW“ setzt sich in Anlehnung an die UN-Kinderrechtskonvention zum Ziel, den Akteuren im Handlungsfeld der (teil-)stationären Jugendhilfe eine fachliche Begleitung und Beratung anzubieten, um professionelle und konzeptionelle Handlungs- und Organisationsprofile der Fachkräfte und Einrichtungen zu fördern.